Studie im Auftrag der Stadtwerke München vorgestellt

28. Mai 2020. Im Auftrag der SWM hat das Hamburg Institut die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien der Stadtwerke München analysiert. Die Studie „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien: Zwischenbilanz, regionale Potenziale und Ausblick“ wurde am 28. Mai 2020 im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt.

Im Fokus der Studie stand neben einer Zwischenbilanz vor allem die Frage, welche lokalen und regionalen erneuerbaren Potenziale vorhanden sind und inwieweit sie zur Zielerreichung beitragen können.

Ziel der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien ist es, bis zum Jahr 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu erzeugen, wie ganz München verbraucht. Das sind immerhin 7,2 Terawattstunden (TWh) pro Jahr. Die im Jahr 2008 gestartete Ausbauoffensive ist bislang sehr erfolgreich verlaufen: inzwischen sind bereits 80 % des Ziels erreicht.

Das Hamburg Institut bestätigte nun die Strategie der SWM: „Die aus klimapolitischer Sicht sehr wichtige Schnelligkeit der Annäherung an die Ziele der Ausbauoffensive war nur mit einem hohen Anteil an überregionalen und an Auslandsinvestitionen erreichbar. In München und auch in Bayern wäre ein vergleichbar schneller Ausbau an SWM Stromerzeugungskapazitäten mangels umsetzbaren Potenzials nicht möglich gewesen.“

Strategie der SWM klimapolitisch und unternehmerisch sinnvoll

Zum heutigen Stand beläuft sich die Jahresproduktion aus bestehenden oder im Bau befindlichen Ökostrom-Anlagen der SWM auf rund 6,0 TWh pro Jahr. Innerhalb der Stadt werden mit Anlagen der SWM jährlich rund 0,46 TWh Ökostrom erzeugt, das entspricht etwa 6 % des Strombedarfs. Lokale Erzeugung und Dezentralität sind nach Einschätzung des Hamburg Instituts kein Selbstzweck. Übergeordnetes Ziel sollte der rasche Ausbau der Erneuerbaren Energien sein. Für die Strategie der SWM sprechen laut Studie vor allem folgende Argumente:

  • Aus klimapolitischer Sicht ist ein möglichst schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend, unabhängig davon an welchem Ort die Anlagen errichtet werden. Eine Begrenzung auf die nur eingeschränkt vorhandenen Potenziale vor Ort wäre klimapolitisch kontraproduktiv.
  • Indem Anlagen dort errichtet werden, wo sie am kostengünstigsten Strom erzeugen, wird Strom aus fossilen Anlagen am schnellsten verdrängt und damit auch pro investiertem Euro mehr CO2 eingespart.
  • Große Projekte führen zu großen Treibhausgas-Einsparungen: Allein der Offshore-Windpark Dan Tysk, an dem die SWM zu 49 Prozent beteiligt sind, erzeugt innerhalb eines Jahres mehr Energie als alle heute bestehenden PV-Anlagen in München zusammen in zwanzig Jahren produzieren können.
  • Mangelnde lokale Flächenverfügbarkeit: Der lokale PV-Ausbau ist für eine vollständige Energiewende bei weitem nicht ausreichend und in der Umsetzung viel zu langsam.
  • Aus wirtschaftlicher Sicht müssen die Projekte rentabel sein, da sonst keine Finanzmittel für den weiteren Ausbau erwirtschaftet werden können.
  • Und schließlich führt ein europaweit gestreuter Ausbau mit unterschiedlichen Technologien zu einer Verbesserung der Versorgungssicherheit. Unregelmäßigkeiten des lokalen Wettergeschehens können ausgeglichen werden.

Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung: „Wir sehen uns in unserem Kurs bestätigt: Beim Ökostrom konzentrieren wir uns auf die Standorte mit den besten Bedingungen. Nur so war es möglich, die Ausbauoffensive bisher so erfolgreich umzusetzen. Aber bei der Wärme setzen wir auf das lokale Potenzial. Deshalb werden wir in den nächsten Jahren über eine Milliarde Euro vor Ort investieren, in den Ausbau der Geothermie und die Umstellung des Fernwärmesystems.“

 

Lokales Potenzial nur bei Photovoltaik

Quantitativ relevantes Potenzial für regenerative Stromerzeugung in München und der Region sieht das Hamburg Institut im Wesentlichen im Bereich Photovoltaik (PV). Weder bei der Windkraft noch bei Biomasse werden nennenswerte Möglichkeiten gesehen. Die Optionen bei der Wasserkraft sind bereits zum großen Teil realisiert.

Das lokale Potenzial an PV ist allerdings erheblich von den Rahmenbedingungen abhängig. Ohne gravierende Veränderungen der ökonomischen, technologischen und rechtlichen Gegebenheiten wird laut Hamburg Institut die in München installierte PV-Kapazität auch bis 2025 und darüber hinaus keine quantitativ relevante Rolle für die Stromversorgung der Stadt spielen. Nur bei einer sehr ambitionierten Weiterentwicklung der politisch-rechtlichen Voraussetzungen und weiteren technologischen Fortschritten wären höhere Anteile an der Stromversorgung denkbar. Die Experten führen Berlin als Beispiel an: aktuelle Studien gehen davon aus, dass in Berlin ein langfristiges Wachstum der PV-Stromproduktion auf bis zu 25% des Strombedarfs der Stadt erreicht werden kann. Allerdings ist die Liste der erforderlichen Änderungen umfangreich: Verbesserung der Wirkungsgrade von PV-Modulen, Auflösung von Vorbehalten bei Behörden und Gebäudeeigentümern, Schaffung zusätzlicher Kapazitäten im Handwerk, landesrechtlich zu regelnde Nutzungspflicht, geänderte bundesgesetzliche Rahmenvorgaben und schließlich die Aktivierung der Stadtgesellschaft. „Insgesamt erscheint eine langfristige Erhöhung des PV-Anteils in Richtung 25 %, wie Berlin sich das vorgenommen hat, nur im Zusammenwirken der politischen Akteure in Bund, Land und München möglich,“ so Christian Maaß, Geschäftsführer beim Hamburg Institut.

PV in München gemeinsam mit der Stadt voranbringen

Die Experten empfehlen, die Möglichkeiten, die sich lokal und regional bieten, soweit es geht auszuschöpfen. Daher begrüßen sie die Initiativen der SWM für einen beschleunigten PV Ausbau in München und der Region. Dazu zählen die Errichtung von PV-Anlagen auf allen geeigneten SWM-eigenen Gebäuden, aber auch die Produkte M-Solar, M-Solar-Plus und die M-Sonnenbausteine.

Die Verfasser weisen darauf hin, dass die Einflussmöglichkeiten von Stadtwerken zur Vergrößerung der lokalen regenerativen Potenziale begrenzt sind. Sie schlagen daher vor, dass die SWM gemeinsam mit der Stadt München die Möglichkeiten diskutieren, wie der lokale Ausbau vorangetrieben werden kann. Florian Bieberbach: „Im Koalitionsvertrag haben die Grünen/Rosa Liste und die SPD/Volt für die Solarenergie einen jährlichen Zubau von 15 MWp vereinbart. Dieses Ziel ist im Lichte der Studie betrachtet durchaus anspruchsvoll. Die SWM wollen die Stadt dabei auf jeden Fall aktiv unterstützen. Aber wir werden nur etwas erreichen, wenn die unterschiedlichen Akteure an einem Strang ziehen.“

Ausbauoffensive fortsetzen

Die erfolgreiche Energiewende in und für die Region München braucht ein Nebeneinander regionaler und europaweiter Investitionen. Dies hat die Studie deutlich gemacht. Das absehbare Erreichen des Ziels – so lautet die Empfehlung - sollte nicht zu einer Beendigung des Engagements beim Ausbau der Erneuerbaren Energien führen. Zumal der Strombedarf Münchens aller Voraussicht nach weiter zunehmen wird. Nicht nur aufgrund des Wachstums der Stadt, sondern auch durch die Elektromobilität und den steigenden Einsatz von Wärmepumpen.

Vor diesem Hintergrund schlagen die Experten vor, dass die SWM ihr Portfolio an Erneuerbaren Energien weiterentwickeln, fortlaufend überprüfen und im Hinblick auf die Risikostreuung, Wirtschaftlichkeit und Regionalisierung optimieren. Durch Erneuerung und stetige Optimierung des Anlagenparks sollte dauerhaft und nachhaltig eine regenerative Erzeugungsposition in Höhe des Münchner Strombedarfs gehalten werden.

Hier geht’s zur Studie in unserer Infothek.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung der Stadtwerke München. 

 

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